Wenn die Cloud zum Problem wird

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Es geht doch nichts über die neueste Technik. Von der Heizung bis zum Auto, vom Balkonkraftwerk bis zur Kamera. Alles lässt sich per Smartphone und Tablet steuern, von fast jedem Ort der Welt. Software läuft nicht mehr am eigenen Computer sondern in der Cloud. Wie gefährlich dieser Trend ist, sieht man erst wenn ein Problem auftritt. Doch dann ist es meistens schon zu spät!

Zumeist wird nicht hinterfragt wie und warum etwas funktioniert. Zu verlockend und einfach ist die heutige Technik geworden. Anhand einiger realer Beispiele möchte ich Ihnen in diesem Beitrag zeigen, wie schnell etwas schiefgehen kann. Teilweise in Verbindung mit hohen Kosten.

Datenschutz

Fast nichts ist für einen Cloud-Anbieter schlimmer, als wenn Kunden Angst um den Datenschutz haben. Daher wird hier tatsächlich in den allermeisten Fällen sehr gut gearbeitet. Die Daten liegen auf streng gesicherten Servern, die Kommunikation erfolgt verschlüsselt.

Einen 100prozentigen Schutz vor Angriffen von außen gibt es dennoch nie. Hochsensible Dokumente sollten Sie also generell eher nicht ins Internet hochladen. Auch ist kaum überprüfbar wie sorgsam intern mit den gespeicherten Daten umgegangen wird. Wer hat Zugriff auf meine Dokumente? Wer kann meine Fotos ansehen? Wie verhindert man Datendiebstahl?

Als Privatperson wird man für einen Mitarbeiter des Cloud-Dienstes wohl kaum von Interesse sein. Bei großen Firmen mit Schlüsseltechnologie kann das schon wieder ganz anders aussehen.

Die Cloud macht heute Pause

Zugegeben, die sogenannte Cloud hat ihre Vorteile. Dokumente liegen nicht mehr auf der eigenen Festplatte sondern auf einem Server im Internet. So können mehrere Personen gleichzeitig an einem Projekt arbeiten. Egal ob man im Büro, zu Hause oder Zug sitzt, dank Internet hat man von überall aus Zugriff auf wichtige Unterlagen. Gleiches gilt für Fotos, Musikdateien und vieles mehr. Allerdings sollte man eines nicht vergessen: Wer seine Zugangsdaten vergisst oder keinen Zugriff mehr auf seine Email-Adresse hat, verliert damit evtl. Erinnerungsfotos und mehr.

Außerdem besteht die Gefahr eines Hackerangriffs auf die Server der bekannten Anbieter. Man sollte also gut überlegen, welche Dokumente und Fotos dem Internet anvertraut.

Selbst wenn man keine Angst vor Hackern hat, ohne Internetzugang geht gar nichts! Richtig schlimm wird es jedoch, wenn die Server des Anbieters generell nicht mehr erreichbar sind. So erging es leider einem befreundeten Unternehmer. Projekte seiner Kunden waren plötzlich nicht mehr abrufbar, die Kopie auf den eigenen Festplatten war nicht auf dem aktuellsten Stand. Schlussendlich blieb ihm nur eine Wahl. Entweder unbestimmte Zeit warten bis die Dokumente in der Cloud wieder verfügbar waren, sofern dies überhaupt jemals wieder der Fall sein sollte. Oder die tagelange Arbeit mehrerer Mitarbeiter mühevoll von ihnen rekonstruieren zu lassen.

Dennoch ist dies ein vergleichsweise glimpflich verlaufener Fall. Es kann noch viel schlimmer kommen.

Für immer verloren

Gerade das man sich keine Sorgen über Softwareupdates und Datenverlust machen muss, macht Cloud-Lösungen so attraktiv. Doch wer sich blind darauf verlässt, könnte eine böse Überraschung erleben.

Wie ein Großbrand bei einem der größten Internetdienstleister Europas im März 2021 gezeigt hat, ist man nicht unbedingt vor Datenverlust geschützt. Das Feuer bei OVH hatte Auswirkungen auf etwa 16.000 Kunden, unzählige Daten sind unwiederbringlich zerstört. Da fragt man sich natürlich: Ja hat denn so ein großer Anbieter mit knapp 1,5 Millionen Kunden keine Backups? Doch hatte er. Nur wurden die Backup-Server bei dem Feuer leider auch zum Teil zerstört.

Geräte können über Nacht nutzlos werden

Immer mehr Geräte werden per Smartphone oder Tablet gesteuert. Das ist sehr praktisch wie ich selber zugeben muss. Doch problematisch wird es, wenn sich Geräte nur noch auf diese Art steuern und einstellen lassen. Knöpfe und Regler gehören der Vergangenheit an.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Ein mobiler Stromspeicher bot diverse Einstellungen. Allerdings musste ich dafür eine App am Handy installieren und einen Account erstellen. Das verlief weitgehend problemlos und war binnen weniger Minuten erledigt. Doch was wenn es die Firma in einigen Jahren nicht mehr gibt und die Server abgeschaltet sind? Von einem technisch ausgereiften Gerät mit tollen Funktionen bliebe nicht viel übrig.

Noch heftiger traf es Käufer eines „smarten“ Türschlosses im Jahr 2020. Aufgrund eines technischen Problems öffnete das Schloss jedem die Türe. Man musste nur klingeln!

Doch selbst wenn Server und Internetverbindung tadellos funktionieren, eine weitere Gefahr sind Updates. So mancher Nutzer von Mährobotern und anderen smarten Geräten erlebte damit schon sein blaues Wunder. Tat die Smartphone-App vor dem Update noch was sie sollte, war damit nach der angeblichen Verbesserung Schluss. Einstellungen sind verändert, Funktionen sind nicht mehr vorhanden, die Verbindung zum Gerät bricht plötzlich ab. Vor allem bei Sicherheitsequipment aber auch bei Drohnen kann das schnell teuer und vor allem gefährlich werden!

Kunden als Geisel

Es klingt vermutlich stark übertrieben, doch manchmal fühlt man sich als Kunde beinahe wie in Geiselhaft genommen. Obwohl man für ein Produkt bezahlt hat, darf man nicht frei darüber bestimmen.

Das beginnt bereits bei Smartphones, deren Apps oft fix vorinstalliert sind. Oftmals lassen sich diese nicht einmal deaktivieren, wie wir bei unserem Samsung Galaxy S21 feststellen mussten. Gleichzeitig erhält man die Aufforderung einen Samsung-Account zu erstellen.

Die DJI Osmo Pocket Kamera wiederum lässt sich nach dem Kauf erst benutzen, wenn man sie mit einem Smartphone samt DJI App koppelt. Erst hierdurch wird die Software in der Kamera entsperrt. Ein absoluter Irrsinn!

Denken wir 10 Jahre in die Zukunft, wird die Problematik noch viel größer sein. Viele Fahrzeuge senden bereits jetzt Daten an den Hersteller und erhalten Updates ohne eine Werkstatt aufsuchen zu müssen. Auch können Autohersteller von außen auf das Fahrzeug zugreifen und dieses zumindest teilweise steuern. Das kann bequem sein, aber auch eine große Gefahr darstellen. Selbst die Stilllegung eines Fahrzeugs ist durchaus denkbar.

Das klingt nach Panikmache oder wenigstens Science Fiction? Mitnichten! Schon 2021 stand Renault in der Kritik. Der Fahrzeughersteller wollte dank einer Vertragsklausel den Akku von E-Autos aus der Ferne sperren dürfen. Verbraucherschützer gingen vor Gericht – und erhielten Recht.

So beugen Sie Problemen vor

Um später nicht von fiesen Fallen überrascht zu werden, achtet man am besten direkt beim Kauf von Geräten auf ihre Funktionsweise. Lassen sich bestimmte Einstellungen oder Funktionen nur aus der Ferne steuern, ist Vorsicht geboten. Insbesondere wenn hierfür eine spezielle App und/oder Account notwendig ist.

Einige wichtige Fragen sind:

  • Kann das Gerät auch ohne Internet/App gesteuert werden?
  • Funktioniert das Gerät weiter, wenn es den Hersteller nicht mehr gibt?
  • Wer hat von außen Zugriff auf die Daten und Funktionen?
  • Funktioniert das Gerät mit Software anderer Hersteller?

Informieren Sie sich vor der Anschaffung eines neuen Geräts genau über die Funktionsweise und welche Einschränkungen es gibt, falls das Internet bzw. der Firmenserver ausfallen sollte. Bevorzugen sollten Sie Produkte mit quelloffener Software (Open Source).

Überlegen Sie gut, welche Dokumente sie welchem Cloud-Anbieter anvertrauen und ob diese Dokumente wirklich online verfügbar sein müssen. Bewahren Sie auf jeden Fall aktuelle Kopien davon auf.

Die angebotenen Leistungen, Speicherplatz und Preise können übrigens stark variieren. Für kleine Betriebe kann sich z.B. die Anschaffung eines NAS schnell lohnen.