Krisenvorsorge für Haustiere

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Es gibt immer wieder Diskussionen ob man im Notfall auch auf Haustiere Rücksicht nehmen kann/soll. Fakt ist, als Tierbesitzer hat man auch in einer Krisensituation sein bestes zu geben, um sein Haustier zu versorgen. So lange und so gut als möglich.

Zu den Vorräten gehören für Tierbesitzer nicht nur Nahrung und Getränke für Personen, sondern eben auch für die Tiere. Ist man jedoch nicht gut vorbereitet, wird man nicht auf seine Tiere Rücksicht nehmen können.

Um so eine Situation, die auch entsprechend psychisch belastend ist, von vorne herein zu vermeiden, muss man seine Haustiere entsprechend einplanen. Dennoch kann man auch bei bester Vorbereitung in eine Situation geraten in der man sich für sich selbst entscheiden muss und nicht für seine Tiere. In diesem Fall heißt es ganz klar, ein unnötiges Leiden der Tiere zu verhindern!

Daten und Fakten

  • Kleine Nager sind am einfachsten zu versorgen
  • Reptilien benötigen am meisten Energie
  • An ausreichend Futter, Wasser, Einstreu usw. denken!

So hart es klingen mag, man sollte auch die praktische Seite von zu Hause gehaltenen Tieren betrachten. Jeder kleine Vor- oder Nachteil kann entscheidend sein! Darum gehen wir auf einzelne Tiergruppen im folgenden näher ein.

Bei der Versorgung der Haustiere sollte man auch einplanen, längere Zeit in einem Schutzraum verbringen zu müssen. Das stellt Tierhalter vor eine weitere Herausforderung.

Fische

Die meisten Zierfische benötigen eine Wassertemperatur von ca. 25°C. So lange man Strom hat, sollte man die Fütterung auf das Minimum reduzieren sowie den Aquariensdeckel geschlossen halten um die Verdunstung einzuschränken. Kostbares Trinkwasser für die Fische zu nutzen, sollte man selbst bei großen Reserven möglichst vermeiden. Reduziert man die Beleuchtungsdauer, sind auch die Fische weniger aktiv und man spart somit Futter und kommt länger ohne Wasserwechsel aus.

Foto: Fellner Manfred

Ohne Strom wird es jedoch schwierig. Die Wassertemperatur sinkt etwas unter Raumtemperatur. Hält man seine Tiere also bei 25° und die Raumtemperatur beträgt 20°, wird das Aquarium innerhalb kurzer Zeit auf etwa 18°-20° abkühlen. Dies kann bei vielen Fischarten bereits zu Krankheiten und sogar zum Tod führen.
Zusätzlich muss je nach Aquariengröße und Fischbesatz 2-3x wöchentlich Wasser gewechselt werden da die Filterung ja nicht mehr arbeitet.

Im Notfall kann man das Aquarienwasser übrigens durchaus trinken, man sollte es nach Möglichkeit jedoch abkochen oder durch einen Wasserfilter laufen lassen.

Wer einen Teich besitzt sollte auch noch wissen, dass sowohl Goldfische als auch Kois essbar sind.
Dies natürlich immer unter der Voraussetzung das die Tiere gesund sind, der Teich nicht kurz zuvor mit Algenmitteln oder Medikamenten behandelt wurde und es keine schädliche Umweltbelastung (Strahlung usw.) gibt.

Wer zu Hause im gemütlichen Wohnzimmer sitzt und das liest, wird vermutlich für sich ausschließen jemals seine Kois und Goldfische zu essen. Nach einer Woche ohne Nahrung dürfte das aber schon wieder anders aussehen!

Hunde

Da Hunde sehr menschenbezogen sind, fühlen sie sich normal überall da wohl wo Herrchen oder Frauchen sind. Sie spüren aber sehr gut „wenn etwas nicht stimmt“, sprich die Besitzer nervös, angespannt oder ängstlich sind. Dies kann sich auf die Hunde übertragen und zu unruhigem Verhalten führen!

Der Schutzraum stellt für sie also kaum ein Problem dar wenn man selber entsprechend ruhig vorgeht. Futter lässt sich problemlos einlagern und ein Hundebett oder eine Decke sollte auch aufzutreiben sein.

Foto: Fellner Manfred

Bleibt noch die Frage, wie man das Gassi gehen ersetzen kann. Für kleine bis mittlere Hunde kann eine große Katzentoilette Abhilfe schaffen. Bei großen Tieren bleibt nur ein entsprechend großer Ersatz für die Katzentoilette. Das klingt jetzt jedoch viel einfacher als es ist.
Hunde werden von klein auf trainiert, das Haus nicht zu beschmutzen und nun soll alles anders sein. Der Hund wird also erst unruhig werden und deutlich anzeigen das er nach draußen muss. Zu diesem Zeitpunkt sollte man ihn in die Toilette setzen und auch konsequent bleiben bis er sein Geschäft erledigt hat. Danach ausgiebig belohnen und loben!

Den fehlenden Auslauf kann man bedingt durch Denksport kompensieren. Kleine Übungen oder neue Befehle einlernen, macht auch müde und lässt die Zeit für Besitzer und Hund schneller vergehen. Auch kann man so, kleine Kläffer etwas ablenken. Wobei wir auch schon beim Vor- und Nachteil von Hunden angekommen sind!
Ein kläffender Hund ist weit zu hören und lenkt somit Aufmerksamkeit auf sich. Das kann unerwünschte Personen anziehen die sich von einem kleinen Taschenfiffi wohl kaum abschrecken lassen werden. Bellt dagegen z.B. ein Schäferhund kann dies sehr wohl abschreckend wirken!

Zusätzlich kann man von der Körperwärme mittlerer bis großer Hunde profitieren, dass können wir aus erster Hand bestätigen. Samstag Nacht, draußen -12°C und die Heizung fällt aus. Da freut man sich über den wärmenden Weimaraner im Bett!

Katzen

Wohnungskatzen sind gut über die Runden zu bringen. Katzenstreu sollte aber ausreichend vorhanden sein und selbstverständlich auch Futter.
Ist es ohne zu großen Aufwand möglich, sollte der Lieblingsschlafplatz oder Kratzbaum zur Verfügung stehen.

Idealerweise gewöhnt man die Katze frühzeitig an den späteren Schutzraum und verbindet diesen mit positiven Erfahrungen wie Spielzeug oder Leckereien. Dennoch wird es auch von der Aufenthaltsdauer und dem Charakter der Katze abhängen, wie gut sich die Situation meistern lässt.

Foto: Fellner Manfred

Problematischer wird es bei Katzen mit Freigang! Müssen diese einige Zeit in der Wohnung oder gar begrenzt in einem einzigen Raum verbringen, kann man sich auf „Dauermiauen“, Unruhe und teils sogar recht aggressives Verhalten einstellen. Protestierende Katzen können außerdem eine gewaltige Lautstärke erreichen und somit auch ungewollte Aufmerksamkeit von außen.
Dies kann zu einer massiven Nervenprobe für alle Beteiligten ausarten und somit zu einer starken zusätzlichen Belastung werden.

Nager

Diese Tierart ist auch im Katastrophenfall recht einfach zu versorgen. Etwas Wasser und Futter reichen aus. Trockenfutter kann bedenkenlos über längere Zeit gelagert werden. Hier sollte man jedoch beachten, dass manche Nager wie z.B. Chinchillas auf spezielles Futter angewiesen sind!

Kann man einige Wochen den Käfig nicht sauber machen, ist das geruchlich sicher nicht so angenehm, aber im Notfall gibt es eindeutig andere Prioritäten.

Foto: Fellner Manfred

Die meisten Nager sind recht leise, nur Meerschweinchen können auch mal kräftig fiepsen. Die Temperatur sollte in etwa in dem Bereich liegen, in dem auch wir uns wohl fühlen.

Reptilien

Die Haltung von Reptilien ist auch so schon anspruchsvoll genug, im Katastrophenfall wird es umso schwieriger. Wärme und Feuchtigkeit sind die Grundbedürfnisse der meisten Exoten.
Dazu kommt noch, dass einige Arten auf Lebendfutter angewiesen sind.

Viele Schlangen und auch einige andere Reptilienarten können wochenlang ohne Nahrung auskommen und halten auch eine Winterruhe bzw. einen Winterschlaf. Dies kann man sich zu nutze machen und die Tiere sozusagen die Katastrophe verschlafen lassen. Leider klappt das aber nicht bei allen Tieren.

Foto: Fellner Manfred

Chamäleon und Geckos die sich an sich hauptsächlich von Insekten ernähren, lassen sich oftmals mit gefriergetrockneten Futterinsekten aus der Tierhandlung füttern. Auch werden im Fachhandel spezielle Fruchtgelees und Trockenfutter angeboten. An diese Futterarten sollte man die Tiere jedoch frühzeitig gewöhnen um im Notfall nicht auch noch das machen zu müssen.

Lassen es die Umstände zu, kann man natürlich auch Insekten auf der Wiese oder im Garten fangen. Dabei muss man jedoch beachten, dass manche Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel für einige Insekten ungefährlich, für Reptilien jedoch tödlich sein können!

Die Feuchtigkeit kann man länger aufrecht erhalten wenn man die Lüftungsgitter von Terrarien großteils abdeckt. Die Temperatur wird jedoch für die meisten Tiere zum Problem werden wenn es nicht gerade Hochsommer ist oder Winterruhe gehalten wird. Wechselwarme Tiere sind von der Umgebungswärme abhängig. Ist es zu kalt, funktioniert weder der Bewegungsapparat noch die Verdauung richtig. Reptilien warm zu halten ist also überlebenswichtig!

Schnellübersicht zur Krisenvorsorge