Krisenvorsorge: Erdbeben

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Erdbeben – also Erschütterungen der Erde – entstehen zumeist durch die Verschiebung von Erdplatten, den sogenannten tektonischen Platten. Erdbeben die ihren Ursprung unter dem Meeresboden haben, werden als Seebeben bezeichnet.

In der Regel gibt es ein oder mehrere Vorbeben, ein Hauptbeben und ein bis mehrere Nachbeben. Es gibt also mehrere Erschütterungen die sich in manchen Fällen über Wochen hinziehen können. Die Vorhersage von Erdbeben ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich.

Gefahren

Auch wenn die Gefahr von Erdbeben in Österreich und Deutschland eher gering ist, sollte man sich darüber zumindest Gedanken machen.
Wir liegen geografisch sehr günstig und die bisherigen Erdbeben haben kaum Schäden angerichtet. Risse in Hauswänden und heruntergefallene Bilder sind hier am häufigsten zu verzeichnen.

Dennoch sind auch schwerere Erdbeben denkbar, die dann Gebietsweise großen Schaden anrichten können. Hierzu zählen neben den unmittelbaren Schäden an Gebäuden und Straßen auch Brüche an Strom- und Gasleitungen sowie unpassierbare Straßenabschnitte.

Anmerkung: Im Jänner 2024 kam es zu einer Reihe von Erdbeben im Raum St. Johann in Tirol. Das bisher stärkste Beben am 22.01.2024 erreichte immerhin die Stärke 4,0 auf der Richterskala. Es war bis nach Kitzbühel und Kufstein deutlich zu spüren.

Am 1. Februar 2024 erreichte ein Beben im Bezirk Neunkirchen (Niederösterreich) die Stärke 4,4 auf der Richterskala. Anwohner wurden aus dem Schlaf gerissen, leichte Schäden an Gebäuden wurden berichtet.

Neben einstürzenden Gebäuden, herunterfallenden Trümmerteilen und Glassplittern stellen vor allem Brände/Explosionen durch zerborstene Leitungen eine große Gefahr da.
Straßen können unpassierbar werden, Gas-, Wasser-, und Stromversorgung zusammenbrechen. Gleiches gilt für den öffentlichen Verkehr.

Ist ein größeres Gebiet betroffen und Hilfe von außen in den ersten Tagen nicht möglich, steigt die Gefahr von Unruhen und Plünderungen. In Küstennähe ist zusätzlich mit einem Tsunami zu rechnen.

Vorbeugende Maßnahmen

Derzeit gibt es keine verlässliche Methode um Erdbeben vorauszusagen. Geschweige denn, können diese verhindert werden.

Die Vorbeugung kann jedoch zu einem gewissen Teil durch entsprechende Bauweise von Gebäuden und anderen Bauwerken wie z.B. Brücken erfolgen.
Grundsätzlich werden Gebäude in Österreich, Deutschland und der Schweiz nicht erdbebensicher gebaut, da nach aktuellem Wissensstand, hierfür keine Notwendigkeit besteht.
Eine Nachrüstung für bestehende Gebäude ist, wenn überhaupt möglich, leider in den meisten Fällen extrem teuer und aufwendig.

Ältere Häuser mit schlechter Substanz sind natürlich gefährdeter als massive Neubauten. Wie sicher ein Haus wirklich ist, kann nur ein Architekt/Statiker beurteilen. Dieser kann auch Empfehlungen aussprechen, wie das Gebäude sicherer gestaltet werden kann.

Aus Kostengründen kann es sich in Einzelfällen anbieten, nur einen bestimmten Raum bzw. Bereich aufzurüsten. Teilweise sind aber auch bereits neuere Anbauten vorhanden die entsprechend sicherer sein können. Wer einen Umbau in Erwägung zieht, sollte dies auch gleich mit einem Schutzraum kombinieren.

Ist ein Umbau des Hauses nicht möglich bzw. lebt man in einer Wohnung, kann man zumindest seine wichtigsten Gegenstände und Dokumente in einem stabilen Stahlschrank schützen.

Tipp: Alle wichtigen Dokumente und Daten wie Fotos, sollten digital gesichert und an 2 voneinander entfernten Orten aufbewahrt werden.

Verhalten im Notfall

Wenn Sie in einem Gebäude betroffen sind: Suchen Sie Schutz unter einem stabilen Tisch oder ähnlichen Möbelstücken. Damit sind allerdings nicht Billigmöbel aus Karton gemeint, sondern Massivholzmöbel!
Am besten eignet sich ein stabiler Türrahmen. Versuchen Sie mit Armen und Händen, Kopf und Gesicht zu schützen. Meiden Sie die Nähe von Glasscheiben und großen Gegenständen die um- oder herunterfallen könnten. Auf keinen Fall Aufzüge benutzen!

Handelt es sich um ein hohes Gebäude oder hat das Gebäude große Glasfronten, bleiben Sie nach Möglichkeit im Gebäude, bis das Erdbeben vorüber ist. Herabstürzende Trümmer und Glas können zur tödlichen Gefahr werden.
Ist es möglich, dass Gebäude zu verlassen, ist eine freie, unbebaute Fläche am sichersten.

Überprüfen Sie sich selbst auf Verletzungen. Im ersten Schockzustand kann es passieren, dass man trotz Verletzung keine Schmerzen spürt. Benutzen Sie kein Feuerzeug oder ähnliches, Explosionsgefahr!
Begeben Sie sich ruhig aber rasch an einen sicheren Ort (großer Parkplatz, Grünfläche) . Sollte dies Aufgrund von Verletzung oder Trümmern nicht möglich sein, setzen Sie einen Notruf ab und beschreiben Sie Ihren Aufenthaltsort möglichst exakt. Die Leitungen werden vermutlich rasch überlastet sein, verlieren Sie keine Zeit!
Sind Ihnen besondere Gefahren (z.B. Gasflaschen) oder andere nützliche Hinweise bekannt, geben Sie diese unverzüglich bekannt. Wenn möglich, drehen Sie den Gashaupthahn und den Strom ab.
Explosionen durch zerstörte Leitungen sind genau so möglich wie Brände oder herabstürzende Trümmer. Seien Sie besonders vorsichtig und denken Sie an die Gefahr von Nachbeben!

In Küstennähe besteht die Gefahr eines Tsunami, verlassen Sie den Strand und suche möglichst einen höher gelegenen Bereich auf.

Wenn Sie unterwegs sind

Ab nach Hause: Verhalten Sie sich ruhig und besonnen, aber verlieren Sie keine Zeit! Führen Sie ein Handy mit, überprüfen Sie ob das Mobilfunknetz funktioniert. Sollten Sie mit dem eigenen KFZ unterwegs und die Straßen passierbar sein, fahren Sie besonders vorsichtig und langsam! Eventuell können Sie sich auch abholen lassen, dies hängt vom vorhandenen Chaos und Kommunikationsmöglichkeiten ab. Öffentliche Verkehrsmittel werden nach einem Erdbeben nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Bleibt nur noch der Fußmarsch und ist die Strecke nach Hause für Sie zu bewältigen, machen Sie sich auf den Weg! Je nach Gelände schafft man pro Stunde etwa 3-6km.

Wenn Sie Zuhause sind

Ist Ihr eigenes Haus betroffen, drehen Sie den Gashaupthahn und den Strom ab. So vermindern Sie die Gefahr eines Brandes/einer Explosion enorm.
Versuchen Sie, möglichst viel Ihrer Ausrüstung zu bergen und kontrollieren Sie diese auf Funktion. Denken Sie dabei aber immer an die Möglichkeit von Nachbeben, herabstürzenden Trümmern und einstürzenden Wänden!
Beim geringsten Anzeichen eines Nachbebens oder sich bewegenden Trümmerteilen, verlassen Sie sofort das Haus und suchen Sie eine freie Fläche auf.

Bereiten Sie sich auf die Nacht vor! Ob Sie in Ihrem Haus übernachten können, werden Sie in der Situation selbst entscheiden müssen. Sicherer kann es sein, im Auto oder in einem Zelt im Garten zu übernachten. Je nach Jahreszeit muss jedoch mit extremer Kälte gerechnet werden. Legen Sie also warme Kleidung, Decken usw. bereit.

Ist Ihr Haus nicht betroffen: Überprüfen Sie Ihre Ausrüstung auf Funktion. Sollten Sie keine Wasservorräte besitzen, sollten nun vorhandene Behälter gefüllt werden!
Selbst wenn Ihr Wohngebiet (noch) nicht direkt betroffen ist, Ihr Gas-, Wasser-, und Stromversorger könnte es sein oder noch werden.
Versuchen Sie über Radio , TV oder jedes andere verfügbare Medium an aktuelle Informationen zu kommen und bereiten Sie sich auf die Nacht vor.
Nutzen Sie das Tageslicht und denken Sie auch an die Möglichkeit bevorstehender Unruhen bzw. Plünderungen. Die Gefahr steigt mit der Größe der betroffenen Fläche und jedem Tag ohne Grundversorgung mit Energie und Lebensmittel.

Vermeiden Sie es, Nachts auf der Straße zu sein. Man könnte Sie als leichtes Opfer oder aber auch als Plünderer ansehen. Beides kann zu sehr gefährlichen Situationen führen!
Je nach Jahreszeit muss auch mit extremer Kälte gerechnet werden. Legen Sie also warme Kleidung, Decken usw. bereit.