Führt Elon Musk Twitter in den Abgrund?

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Keine Frage, Elon Musk ist genial. Aber auch furchtbar egozentrisch und quasi unberechenbar. Und er hat mehr Social Media Follower als so mancher Star. Leider vergisst er dabei oft auch seine Verantwortung für unzählige Kunden und Mitarbeiter.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Elon Musk will Twitter kaufen. Ein Scherz? Eine Zeitungsente? Vielleicht nur eine unüberlegt laut ausgesprochene Idee? Nun ja, alles davon wäre gut möglich gewesen. Doch Musk meinte es ernst. Zumindest vorerst…

Ja, Nein, Vielleicht, Ja

Denn Monate nach der Ankündigung war plötzlich alles anders. Twitter hätte falsche Daten vorgelegt, es gäbe viel mehr Fakeaccounts als zuvor bekannt und irgendwie schien Elon Musk sowieso die Lust am Kauf des Mikroblogging-Dienstes verloren zu haben. Eventuell hätte er doch eine Nacht länger darüber schlafen sollen, bevor er, die für die meisten von uns unvorstellbare Summe, von 44 Milliarden Dollar bot.

Das war im April 2022. Ein paar Monate später, genauer im Juli 2022, sprach Musk plötzlich von „falscher und irreführender“ Angaben die Twitter ihm gegenüber gemacht haben soll. Der Deal sollte platzen. Allerdings hatte er die Rechnung ohne Twitter gemacht, der Kurzbotschaftendienst reichte Klage ein. Am 17. Oktober 2022 sollte der Prozess beginnen.

Anfang Oktober 2022 dann die Wende. Musk willigte ein, Twitter zum ursprünglich vereinbarten Preis zu kaufen. Scheint, als hätte da jemand kalte Füße bekommen. Vielleicht konnten ihn aber auch seine hochbezahlten Anwälte zu Vernunft bringen. Seine Aussichten den Prozess zu gewinnen, wurden von Anfang an als sehr gering eingeschätzt.

Die Axt im Walde

Was dann folgte, überraschte sogar die eingefleischtesten Fans des Milliardärs!

Am 27. Oktober übernahm Elon Musk Twitter und legte los wie man ihn kennt. Knallhart, unberechenbar und ohne Rücksicht auf Verluste.
Schon in seinen ersten Tagen als CEO von Twitter, verloren tausende Mitarbeiter ihren Job. Entlassene Mitarbeiter erfuhren oft nur durch ein knappes E-Mail mit dem Betreff „Ihre Rolle bei Twitter“von ihrem Arbeitsende. Andere konnten sich plötzlich nicht mehr in ihren Firmenaccount einloggen. Etwa 3.700 Menschen sollen betroffen sein.

Als könne es gar nicht mehr schlimmer kommen, drohte Elon Musk seinen Werbekunden auch noch. Viele große Kunden waren schon alleine durch die Übernahme von Twitter durch Musk verunsichert, pausierten oder schränkten ihre Werbeeinschaltungen stark ein. Und Musk? Er reagierte auf den Vorschlag Firmen zu benennen, damit diese boykottiert werden können, mit folgender Antwort:

Danke. Ein thermonukleares Benennen und Schämen ist exakt das, was passieren wird, wenn das nicht aufhört.

Große Werbekunden wie z.B. Audi, die Volkswagen-Gruppe, Mondelez, United Airlines oder Pfizer haben bereits ihre Werbung auf Twitter auf Eis gelegt.
Mittlerweile überlegt sogar die Uno (Vereinte Nationen), sich von der Plattform zurückzuziehen.

Für eine Plattform die knapp 90% der Erlöse durch Werbeeinnahmen erzielt, ist das der finanzielle Supergau!

Angestellte flüchten vor Arbeitsbedingungen

Enttäuschung und Wut machten sich bei den (Noch-) Angestellten breit. Hochrangige Mitarbeiter haben ihren Job hingeschmissen, so mancher Angestellter soll auch abgeworben worden sein.

Kein Wunder, wenn über Nacht alles anders ist und die Hälfte der Mitarbeiter nicht mehr arbeiten darf. Laut Insidern soll es dadurch zu massiven Problemen bei den Arbeitsabläufen gekommen sein.

Auch gibt es Bedenken um die Sicherheit der Nutzerdaten. Denn unter den freiwillig gegangenen Mitarbeitern befinden sich auch die Chefin für Informationssicherheit, der Chef der Abteilung für Vertrauen und Sicherheit sowie der Datenschutzbeauftragte.

Häkchen gegen Bezahlung

Stand das blaue Häkchen beim Account eines Nutzers bisher für einen von Twitter überprüften offiziellen Account einer berühmten Person oder Organisation, kann man sich nun auch darauf nicht mehr verlassen.

Stattdessen konnte man sich dieses Häkchen plötzlich erkaufen. Es ist Teil des neuen Abomodells „Twitter Blue“. Wie zu erwarten, wurde diese neue Funktion in kürzester Zeit von „Spaßvögeln“ missbraucht. Zahlreiche gefälschte Accounts sorgten für großen Ärger.

Zwischenzeitlich wurde das Verifikations-Häkchen ausgesetzt, jedoch zu spät für den Pharmakonzern Eli Lilly. Ein Fakeaccount verbreitete die Falschmeldung, Insulin wäre zukünftig kostenlos zu bekommen.

Zumindest hier hat Elon Musk dazugelernt. Der Verifikationsprozess für das blaue Häkchen wurde wieder eingeführt.

Ist Twitter bald pleite?

Sogar über eine mögliche Pleite von Twitter wird in der Zwischenzeit spekuliert. Und zwar von niemand geringerem als Elon Musk selbst!
Er forderte alle Mitarbeiter auf, ihr möglichstes zu geben, damit Twitter profitabel wird. Aktuell würde der Konzern täglich 4 Millionen Dollar Verlust einfahren. Eine Insolvenz wäre nicht ausgeschlossen.

Musk selbst hat jedenfalls bereits massiv Geld verloren. Binnen eines Jahres schrumpfte sein Vermögen auf geschätzte 164 Milliarden Dollar, 2021 waren es noch astronomische 340 Milliarden Dollar.

Wie schlecht es tatsächlich um Twitter steht, lässt sich schwer einschätzen. Fakt ist, Werbekunden haben derzeit keinen Grund auf die Plattform zurückzukehren. Das wiederum beschränkt Twitters wichtigste Einnahmequelle drastisch.

Dazu kommt, dass Twitter laut Berichten seit Wochen mit Mieten für Hauptquartier und Büros im Rückstand sein soll. Abfindungen für ehemalige Mitarbeiter sollen laut „New York Times“ auf der Kippe stehen. Lieferanten sollen ebenfalls auf ihr Geld warten müssen.