Explodierende Kreditzinsen – Banken reiben sich die Hände

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Viele Kreditnehmer haben es bereits am eigenen Leib erfahren, die Zinsen für laufende Kredite sind in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Teilweise so stark, dass sich Bankkunden die Rückzahlung der Schulden kaum noch leisten können. Wir zeigen, welche Möglichkeiten man als Kreditnehmer hat, die Zahllast zu mindern.

Alleine bis zum Dezember 2022 erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) bereits zum vierten Mal in Folge die Leitzinsen. Ihr Ziel ist es, die hohe Inflation im Euroraum zu bekämpfen. Weitere Zinserhöhungen sind wahrscheinlich.

Ein negativer Nebeneffekt davon: Bankkunden die einen Kredit mit variabler Verzinsung abzuzahlen haben, müssen spürbar tiefer in die Geldtasche greifen!

Kredite werden unleistbar

Je nach Kredithöhe und vereinbarten Konditionen stiegen die Zinsen für viele Kunden gleich mehrfach hinter einander um beträchtliche Summen. In einigen Fällen stieg der monatliche Ratenbetrag innerhalb eines Jahres um mehrere hundert Euro.

In Kombination mit stark gestiegenen Miet- und sonstigen Lebenshaltungskosten sind immer mehr Menschen kaum noch in der Lage die Raten zu bezahlen. Und weitere Zinserhöhungen sind durchaus wahrscheinlich!

Rechtlich betrachtet, ist man der höheren finanziellen Belastung durch steigende Kreditzinsen machtlos ausgeliefert. Dennoch kann ein genauer Blick in den Kreditvertrag nicht schaden. Im Zweifel holt man sich dafür Rat bei einer unabhängigen Schuldnerberatung.

Doch auch wenn rechtlich nichts gegen die hohen Zinsen unternommen werden kann, sollte man nicht gleich aufgeben. Manchmal lohnt es sich, ein Gespräch mit der Bank zu suchen.

Zinsverhandlungen sind möglich

Zwar wird der Jahreszinssatz bereits im Kreditangebot geregelt, doch unveränderbar ist dieser nicht! Unter anderem ist der Zinssatz von der eigenen Bonität abhängig.

Bereits ein Gespräch mit dem Bankberater kann zum Ziel führen. Eventuell kann dieser direkt Einfluss nehmen und die Zinsen entsprechend senken. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit, an anderer Stelle einzusparen. Zum Beispiel in dem Risiko- bzw. Lebensversicherungen zumindest für einige Monate prämienfrei gestellt werden. Ob dies sinnvoll ist und von der Bank genehmigt wird, hängt vom Einzelfall ab.

Santander Consumer Bank

Selbst wenn der eigene Berater keine Möglichkeit hat, ist man noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt, wie unsere Recherche gezeigt hat. So stellt die Santander Consumer Bank beispielsweise auf Nachfrage ein „Zinssenkungsformular“ zur Verfügung.
In diesem muss man den Grund für die gewünschte Zinsanpassung darlegen, dann heißt es abwarten. Ob, und wenn ja in welcher Höhe, der Zinssatz gesenkt wird, entscheidet allerdings alleine die Bank.

Auf 2 solche von Kunden abgesendete Zinssenkungsformulare der Santander Consumer Bank gab es vorerst keine Rückmeldung. Die Bearbeitungszeit wurde zuvor mit „etwa 1 Woche“ angegeben.
Nach mehr als 2 Wochen dann die Antwort: Die Zinssenkung wurde abgelehnt! Man könne es aber gerne in 2-3 Monaten noch einmal versuchen.

Sparkasse Oberösterreich

Nachfragen bei der Sparkasse Oberösterreich brachten in unserem Test ebenfalls nur negative Ergebnisse. Während zwei Privatkundenbetreuer eine Zinssenkung sofort kategorisch ablehnten, zeigte sich ein Geschäftskundenbetreuer zumindest gesprächsbereit. Doch binnen 24 Stunden kam auch hier eine negative Rückmeldung. Inklusive der Anmerkung, man hätte „aber nicht die volle EURIBOR Erhöhung“ weitergegeben.

Der Werbespruch „In jeder Beziehung zählen die Menschen“ gehört offensichtlich der Vergangenheit an. Vielleicht sollte man ihn ehrlicherweise nun gegen „In jeder Beziehung zählen die Zinsen“ austauschen…

Geschäftskunden in der Falle

Dramatisch kann die aktuelle Situation auch für Geschäftskunden werden. Ihnen droht bei Krediten mit variablen Zinsen eine miese Falle!

Banken behalten sich oft das Recht vor, Zinsen und Zinsaufschläge von Krediten, laufend an die Bonität des Kunden anzupassen. Genau hier kann allerdings eine Kostenspirale warten, die am Ende zur Zahlungsunfähigkeit führt.

Durch steigende Sollzinsen entstehen dem Kreditnehmer höhere Kosten, also Ausgaben. Die dadurch entstehende negative Auswirkung auf die Geschäftszahlen wird von der Bank gerne als Risiko betrachtet. Daraufhin passt sie die Sollzinsen nach oben an, die Ausgaben des Kunden steigen an, die Geschäftszahlen werden noch schlechter… so geht das Spiel immer weiter. Bis der Kunde sich die Rate nicht mehr leisten kann und sich die Bank dadurch auch noch in den Zinserhöhungen bestätigt sieht.

Privatkonkurse steigen an

Laut KSV1870 wurden 2022 in Österreich 8.325 sogenannte Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Oder anders ausgedrückt: Täglich wurden knapp 23 Gerichtsverfahren eröffnet, da Schulden nicht mehr bezahlt werden konnten!

Bedingt durch die Corona-Pandemie, der damit verbundenen Kurzarbeit und dem darauf folgenden Krieg Russlands gegen die Ukraine, stiegen die Belastungen für Konsumenten stark an. Explodierende Energie- und Mietpreise konnten viele gerade noch stemmen. Doch mit den steigenden Zinsen kommen nun auch diese Menschen an ihre Grenzen.

Die Banken sehen dabei zu und reiben sich die Hände. Doch bereits jetzt ist ein starker Rückgang bei Kreditanfragen zu spüren. Insbesondere Baufinanzierungen sind beinahe unleistbar und sogar für Investoren uninteressant geworden.
Auf lange Sicht dürfen sich Banken daher auf die nächste Krise einstellen. Spätestens dann werden wir Konsumenten wieder gefragt sein. Wenn auch nur um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Bis zur nächsten Krise… und der nächsten…