Das ewige Heimkind – Die Geschichte meines Lebens

Veröffentlicht am

, letzte Aktualisierung am

Schlagwörter:


Das hier ist die Geschichte meines Lebens. Zumindest soweit wie ich es rekonstruieren und nachvollziehen konnte. Vieles ist nämlich leider für immer verloren, manches wird mir bis heute verschwiegen. Es ist die Geschichte eines Menschen, der bereits als Kind mehrfach beinahe getötet wurde, irgendwie bis heute alles überlebt, und dennoch bis heute seinen Humor bewahrt hat. Und doch bis heute leidet…

Bereits im Alter von 17 Jahren habe ich diesen Text begonnen. Aber nicht fertiggestellt, ich hatte damals weder ausreichend Kraft noch die richtigen Worte dafür. Nun bin ich 43, es sind also 26 Jahre vergangen. Eine für mich unfassbar lange Zeit, es kommt mir viel kürzer vor. Und dieses Mal werde ich den Text fertigstellen!

Wichtig: Dieser Text befindet sich laufend in Bearbeitung. Immer wieder schreibe ich weiter, füge Erinnerungen und Fotos ein, wie es meine Kraft und Zeit zulassen.

Letzte Aktualisierung: 03.02.2024

Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert, aber eines ist gleich geblieben. Während ich das hier schreibe höre ich wieder LISTEN TO THE VOICES von LABI SIFFRE in Dauerschleife.

Bevor ich starte, möchte ich auf folgendes hinweisen: Meine Rechtschreibung ist nicht die allerbeste, wer damit nicht klar kommt, sollte lieber nicht weiterlesen. Ich schreibe was ich denke, fühle und erlebt habe. Ungeschönt und ohne Rücksicht darauf, wie es beim Leser ankommt. Manches ist brutal, verstörend, vielleicht für manche Menschen nur schwer zu ertragen.

Orte und Namen werde ich nur soweit nennen, wie es rechtlich unproblematisch ist. Einiges muss ich aus rechtlichen Gründen zensieren.

Vorwort

Ich heiße Manfred und wurde 1980 in Linz/Oberösterreich geboren. Meine Mutter war Österreicherin und mein Erzeuger war Bosnier. Er verschwand aus Österreich als ich etwa 2 Jahre alt war. Ich kann mich an ihn nicht erinnern. Meine “Eltern“ sind beide bereits lange tot.

Das oben genannte Lied habe ich zum ersten mal beim Zivildienst gehört, an dem Tag als mein Zivildienst-Kollege Stefan aufgehört hat. Wir sind damals zum letzten mal gemeinsam die ’’Essens-Tour’’ gefahren. Ein trauriges Erlebnis für mich. Stefan war damals 26 Jahre alt und der einzige beim Zivildienst mit dem ich wirklich offen sprechen konnte. Da hörten wir zufällig das Lied im Radio. Seither lässt mich der Song nicht mehr los! Ich saß früher oft stundenlang vor dem PC und das Lied lief in einer Endlos-Schleife. Manchmal die ganze Nacht weil ich nicht einschlafen konnte oder wollte. 2-3 Tage durchgehend wach zu sein war für mich absolut normal. Wer wach ist kann nicht träumen, wer nicht träumt hat keine Albträume…

Das werden sicher viele für verrückt halten, aber das stört mich nicht. Schließlich ist mein ganzes Leben ziemlich verrückt. An manche Dinge kann (oder will?) ich mich nicht mehr erinnern. Von manchen Dingen hatte ich noch jahrelang Alpträume.

Ich verbrachte 8 Jahre in einem Kinderheim, kam dann zu meiner alkoholkranken Mutter, deren alkoholkranken Lebensgefährten und meiner ständig überbesorgten Großmutter.

Ich habe bis heute Probleme mit der Eisenbahn zu fahren und kann noch immer kaum in Hotels, Krankenhäusern oder ähnlichen Umgebungen übernachten, weil ich das Gefühl habe eingesperrt zu sein. Ohne im Selbstmitleid zu versinken kann ich wohl behaupten, dass sicher nur wenige so ein Leben hinter sich haben. Aber ich bin stolz darauf, es so weit geschafft und nicht aufgegeben zu haben, obwohl ich als Kind oft an Selbstmord dachte.

Wenn man als Kind am Weg von der Schule überlegt, vor einem LKW auf die Straße zu laufen um nicht mehr ins Heim zurück zu müssen, sagt das wohl so ziemlich alles. Ich war oft kurz davor, hatte aber gleichzeitig immer einen Funken Hoffnung, dass ich aus dem Heim herauskomme.

Ich bin nicht vorbestraft, trinke nur selten Alkohol und rauche nicht. Darauf bin ich stolz. Aber mein Leben hat mich stark geprägt! Ich reagiere oft automatisch, eiskalt, ohne Gefühl. Zum Glück aber nur in (vermeintlich) gefährlichen Situationen. Das hat mir schon des öfteren mein Leben gerettet. Ja, das klingt übertrieben. Ist es aber leider nicht. Dazu später mehr!

Unpünktlichkeit und Ungerechtigkeiten hasse ich wie die Pest. Das hat seine Gründe. Ich führe seit 17 Jahren eine tolle Beziehung, habe aber außerhalb meiner Familie nur sehr wenige private Kontakte, kaum Bekannte und keine Freunde.

Das Drama beginnt

Schon vor meiner Geburt bestand das Leben meiner Mutter hauptsächlich aus Alkohol und Eifersucht. Woher ich das weiß? Nun, sie hat ihr Verhalten bis zum Tode kaum verändert. Andere Informationen habe ich aus Erzählungen und Akten zusammengetragen. Da ich alle beteiligten Personen sehr gut kenne bzw. kannte, habe ich keinen Grund an dem Wahrheitsgehalt zu zweifeln.

Schon als ich noch ein Baby war, wurde laufend um mich gestritten. Meine Mutter hat sich nur wenig um mich gekümmert, war lieber in Gasthäusern und mit Männern unterwegs. Deshalb hat sie mich oft zu ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester gegeben. So kam es, dass ich die meiste Zeit meine Mutter gar nicht sah.
Wenn man weiß, dass diese Frau ca. 1 Jahr bevor sie mich zur Welt brachte eine Fehlgeburt hatte, tagelang schrie und heulte weil sie unbedingt ein Kind wollte und sich, auch laut eigener Aussage, nichts mehr auf der Welt wünschte als ein Kind, ist das noch unverständlicher. Nun war ich also auf der Welt und offensichtlich uninteressant.

Eines Tages kaufte mir meine Tante (die Zwillingsschwester meiner Mutter) ein Gitterbett. Denn ich schlief monatelang in einem Tragekorb oder auf einer Art Polster, meine Tante wollte ihrer Schwester und mir etwas Gutes tun.
Da ist meine Mutter durchgedreht und würgte und schlug meine Tante. Die war damals gerade schwanger, aber das interessierte meine Mutter nicht. Auch auf mich wollte sie losgehen und mich töten, aber sowohl meine Tante als auch meine Oma schützten mich. Der Grund für ihr Verhalten war, dass ich nicht in einem Bett schlafen sollte, dass nicht sie selbst gekauft hat. Jahrelang wollte ich es nicht glauben, bis es mir meine Mutter bei einem Streit selbst bestätigt hat.

Meine Mutter war schon als Kind sehr eifersüchtig und fühlte sich immer ungeliebt. Schon in der Schule fing sie an, andere Kinder zu schlagen und war natürlich immer unschuldig. Einmal zog sie jemand angeblich an den Haaren, dann schaute sie jemand falsch an oder lachte. Kleinigkeiten machten sie aggressiv. Das änderte sich bis zu ihrem Lebensende nicht mehr.
Bereits mit 14 Jahren trank sie regelmäßig Alkohol, heimlich nach der Schule. Laut ihrer eigenen Aussage weil es zu Hause so schrecklich war. Doch ich erfuhr nie, was genau so schrecklich gewesen sein soll. Ein Gespräch darüber verweigerte sie immer. Sie sagte immer nur „später wirst du es einmal verstehen“.

Als ich etwas älter wurde, begann ich meine Tante Mama zu nennen, vor meiner echten Mutter hatte ich laut Erzählungen oft Angst. Da ich meine Mutter nur selten sah, wurde sie mir wohl fremd. Meine Mutter wurde, auch dadurch, immer eifersüchtiger und aggressiver. Zudem konnte sie mit einem Kind nicht richtig umgehen. Einmal wollte sie mich baden, aber das Wasser war so heiß, das es dampfte. Meine Tante kam gerade noch rechtzeitig.

Ein anderes mal nahm sie mich mit ins Gasthaus, betrank sich und bemerkte nicht einmal das ich hinter den Tisch gefallen war. Das ist keine böse Anschuldigung, sie erzählte es mir selber und fand es auch noch lustig. Hätte schon damals jemand reagiert, wäre mir wohl viel erspart geblieben!

Als ich etwa 4 Jahre alt war, wurde es noch schlimmer.
Meine Mutter schlug und bedrohte meine Tante und meine Großmutter immer wieder. Meine Tante wollte meine Mutter öfter anzeigen, aber meine Oma hatte Angst, dass ich dann in ein Heim käme und meine Mutter ins Gefängnis. Also ließ sich meine Tante immer wieder aufs neue überreden, nichts zu unternehmen.

Oft bedrohte meine Mutter andere Personen und auch mich mit dem umbringen. Mich wollte sie töten, damit kein anderer mich haben konnte. Oder wie sie es später einmal sagte: ,,Du gehörst mir und niemand anderem. Ist das klar? Du hast eine Mutter und mehr brauchst du nicht!“
Ihre Zwillingsschwester sah sie als Konkurrenz in Bezug auf alles. Sie hätte ihr schon als kleines Kind die Aufmerksamkeit gestohlen, Freunde ausgespannt, wäre von den Eltern immer besser behandelt worden.

Jugendamt

Eines Tages – ich war damals etwa 4 Jahre alt – wurde dann das Jugendamt eingeschaltet. Laut Erzählungen attackierte meine Mutter wieder einmal meine Tante. Wer die Polizei rief und was genau sich abspielte variiert je nach Version etwas, jedenfalls waren dann alle drei, also meine Mutter, meine Oma und meine Tante, auf der Polizeiinspektion.
Bei der Befragung wurde meine Mutter hysterisch, sie ging auf meine Tante los und würgte sie. Der Polizist gab meiner Mutter eine heftige Ohrfeige, danach war erstmal Ruhe. Jedoch wurde nun das Jugendamt eingeschaltet.

Meine Tante, meine Oma und ich mussten kurz danach nach Schauboden (Niederösterreich) ins Jugendheim fahren. Zu einer Aussprache wie es hieß. Allerdings wusste niemand, dass sich meine Mutter zu diesem Zeitpunkt ebenfalls im Jugendheim aufhalten würde.

Nach der sogenannten Aussprache, es ging um die Situation in der Familie und die ständigen Konflikte, wollte mich meine Tante wieder anziehen, als es plötzlich hieß, dass ich nicht mehr mit nach Hause fahren dürfe. Ich wurde weggebracht. Meine Tante und auch meine Oma wehrten sich vehement dagegen, aber da wurde ihnen plötzlich ein Papier unter die Nase gehalten. Meine Mutter hatte unterschrieben, dass ich im Heim bleiben muss.
Jahre später erzählte sie mir, dass sie tatsächlich unterschrieben hatte. Angeblich hatte man ihr gedroht, dass ich ansonsten zu Pflegeeltern kommen würde und sie mich dann nie wieder sehen würde. Ob sie aus Angst mich zu verlieren unterschrieben hat, oder um sicherzustellen das ich nicht zu meiner Tante komme, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Vieles spricht jedoch für letzteres.

Um meine Situation nicht noch zu verschlimmern, fuhren meine Tante und Oma alleine nach Hause. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, was das für ein Gefühl gewesen sein muss. Meine Tante beschloss alles zu unternehmen was irgendwie möglich war, um mich aus dem Heim zu holen. Schließlich sprach sie sich mit ihrem Mann zusammen und sie wollten mich adoptieren.

Das meine Mutter da völlig durchgedreht ist, kann man sich auch dann vorstellen wenn man sie nicht persönlich kannte. Meine Mutter wollte mir jeden Kontakt zu meiner Tante unterbinden. Sie wollte mich nun doch lieber in eine fremde Pflegefamilie geben, als zu meinen Verwandten die ich von klein auf kannte und mochte.
Auch Besuche meiner Tante im Heim wollte sie unterbinden, dass gelang ihr jedoch nicht.

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14